Dienstag, 2. Dezember 2008

Elterngeschichte

Elterngeschichte! Oder - es gibt kein Entrinnen!Mein Vater war ein Schöner, mit schwarzem Haar und blauen Augen, ein Bonvivant, Frauenheld und Nichtsnutz. Der „missratene Sohn“ halt, anstatt in den Familienbetrieb einzusteigen, beschloss er Künstler zu sein, in den "roaring Twenties" eine eigene Band „ The five Foxers“ zu gründen und den Mädels aus der Vorstadt, wie z.B. meiner Mama, beim Tanztee aufzuspielen und ihnen heiße Blicke zuzuwerfen.Die kleine Kapelle machte sich und ein Impressario vermittelt ihnen eine Tournee entlang Riviera und Cote d' Azur. Die große Welt rief und Franz mein Papa in spe, eilte zu den Reichen und Schönen und der Erfolg war mit ihm.Ganz so einfach hatte es meine Mutter nicht. Sie, das Kind eines zur damaligen Zeit recht gefeierten Music-Clowns und einer einfachen Näherin, fand sich hin und her gerissen zwischen den unsicheren „Brettern, die die Welt bedeuten“ und der stabilen Arbeiterklasse samt bitterer, aber sicherer Armut.Eines Tages entschied sie sich und ging mit einer fahrenden Wander-Variete-Bühne auf und davon, immerhin war sie eine begnadete Sängerin+Tänzerin+Akkrobatin+Musikerin und mit ihren bernsteinfarbenen Haaren und graugrünen Augen äußerst wohlgefällig anzusehen. Und sie ging mit der inneren Gewissheit, dass die Welt nur auf sie wartet.Das Artisten-Blut rief und Lea folgte auf Teufel komm raus.Die Truppe zog gen Süden und in Genua war dann Schluss, Ende, Aus, Pleite – fine la Comedia!So stand Mama ganz allein, ohne Geld ohne Papiere am Hafen und weinte bittere Tränen. Da kam eine ägyptische Familie daher und nahm sie einfach mit. Die Frau war Deutsche und Lea sollte mit den Kindern deutsch sprechen, auf sie achten und mit ihnen singen, tanzen und spielen - ein Glückstreffer und Lea meinte im Paradies gelandet zu sein, denn dieser Palast in Kairo, diese Juwelen, das viele Gold, Samt und Seide, die köstlichsten Düfte, Gerichte und Leckereien = Luxus pur !Sie bekam zwar als ‚Sklavin’ keinen Lohn, wurde aber in die kostbarsten Kleider gesteckt, sie wurde weder gezüchtigt noch sonst irgendwie streng behandelt und dieser Lebensstil war für sie DIE Wunschtraumerfüllung a la Hollywood und ihr einziger Gedanke war : so will ich auch mal leben!!!!.Dann kam das jähe Erwachen, als eines Tages alles Hab und Gut aus dem Palast in Container verpackt und in Port Said auf ein großes Schiff verladen wurde. Die Familie samt Personal schipperten wieder übers Meer und landeten in Marseille, wo Mama dann zwar ein bisschen Geld in die Hand gedrückt bekam und ihre schönen Kleider, die jetzt in Bündel geschnürt neben ihr lagen, behalten durfte, aber frei wäre und nun allein weiter zu ziehen hätte. Und wieder saß sie am Hafen und weinte. Ein Mann im schwarzen Cadillac nahm sie mit an die Cote d' Azur, dort war eine wunderschöne weiße Villa auf einem Cap und sie suchten dort ein Mädchen für Alles. Jeden Abend spielte in dieser Villa eine Tanzkapelle aus Wien. Mama und Papa erkannten sich sofort aus dem Wiener Tanzcafe wieder, verliebten sich ineinander, musizierten miteinander undmachten - MICH.Durch Europa wütete der Krieg und das kleine Cap entpuppte sich als zauberhaft in den Nebeln versunkenes >Avalon <. Aber auch dorthin kam die Post und brachte eines Tages einen Brief aus der Heimat. Papa wurde ans Sterbebett seines Vaters gerufen und erst jetzt erfuhr die kleine, vive Lea, dass ihr Geliebter eigentlich aus einem wohlhabenden Stall kommt. Mit der berechtigten Vermutung, dass ihre materiellen Zukunftsaussichten rosig wären, entwickelte sie sofort instinktiv den Wunsch ein Nest zu bauen; Dieser Märchenprinz müsste sie ja nach Hause mitnehmen, sie heiraten, das Kindlein anerkennen, sie würde Hausherrin sein, Geld, Reichtum, Luxus……Und so war es auch, all ihre Pläne gingen auf. Einziger Schwachpunkt in Mamas Höhenflug war die Schwiegermutter! Die alte Matriarchin war etwas unbequem, aber sie arrangierten sich. Großvater starb bald danach und Vater als einziger Sohn übernahm die Geschäfte – und von nun an gings bergab und das „Bergab“ zog sich zwar über einige Jahre, war aber unaufhaltsam und unerbittlich.Tja, was ist dazu zu sagen; Franz der brillante Kapellmeister und Liebling der Frauen, war alles andere als ein Geschäftsmann. Lea, die Vollblutkünstlerin auf Höhenflug hatte weder Ahnung von, noch Interesse an Geschäften und Großmutter hätte sich niemals mit so banalen Dingen wie Geldangelegenheiten abgegeben. Eines Tages saß ein gieriger Pleitegeier, mit um den Hals geschlungener Serviette, Schlachtmesser wetzend an unserem Tisch und verschlang uns allesamt, mit Haut&Haar und Haus&Hof.Papa verdingte sich später manchmal als Kellner oder Hausbursche, aber die meiste Zeit verbrachte er, bis zu seinem finalen Abgang, im Alkoholrausch und Mama ging in eine Fabrik um uns als Hilfsarbeiterin über Wasser zu halten. Sie ließ sich scheiden und schaute sich noch ein paar Mal um, eventuell doch noch einen Märchenprinzen zu erwischen, aber sie befand sich bereits auf ihrem ultimativen Weg, denn plötzlich stand der schwarze Drache „Krebs“ vor ihr und fraß sie einfach auf.
Rien ne va plus!Willst du die Götter zum Lachen bringen, erzähl ihnen deine Pläne.

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